Freitag, Tübingen. Seit zwei Tagen tue ich nichts. Muss scheinbar erst lernen, wie entspannend das sein kann. Ich tue sonst nie nichts. Arbeit ist mein zweites Glaubensbekenntnis. Ich schaue Harry und Sally, Ein Chef zum Verlieben und French Kisses. Langsam ist mir alles wunderbar egal. Ich treffe mich mit meinen beiden Lieblingsfamilien, mein lieber T. mit Baby Z., und aus Köln meine liebe L. und das Lchen und das Tchen. Sie sind gerade in Tübingen, wohnen aber beim Vater. Die Traurigkeit wegen der Kompliziertheit von Patchworkfamily, insbesondere unserer Patchworkfamily, wegen der Sehnsucht nach den liebsten Lebensmenschen, die diesmal in einer
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Alles im Fluss
Dienstag, Tübingen. Gute Nachrichten von meiner Agentin. Plan A scheint aufzugehen, es gibt konkretes Angebot von einem kleinen Verlag. Wahrscheinlich wird es keine Verbindung zu meiner Person geben, werde den neuen Roman wohl unter Pseudonym veröffentlichen. Ich muss mein Gesicht nicht überall reinhalten, im Gegenteil. Alles ist im Fluss, alles in Bewegung. Bin mega erleichtert.
WeiterlesenMediator
Montag. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas‘ Begründung, weshalb sie den von Putin ins Spiel gebrachte Gerhard Schröder als Vermittler zw. Russland und Ukraine ablehnt: Schröder „sitzt auf beiden Seiten des Verhandlungstisches“. Ich dachte, ein Vermittler / Mediator sitzt immer auf beiden Seiten des Verhandlungstisches. Sagt doch schon das Wort, oder? Schröder ist für mich positiv besetzt aus mehreren Gründen. Hauptgrund: Als Bundeskanzler hat er im Jahr 2003 eine deutsche Beteiligung am Irak-Krieg explizit abgelehnt. Als ich das damals im Radio hörte, ich stand gerade im Flur, war ich stolz wie Bolle auf mein Land, auf meinen Kanzler. Ich kann mich noch genau
WeiterlesenKunst und Autonomie
Donnerstag. Eine anmaßende, inzwischen zurückgetretene Biennale-Jury wollte Russland und Israel von vornherein von der Preisvergabe ausschließen. Seine Galerie hat den jüdischen, in Haifa lebenden Künstler Belu-Simion Fainaru aus ihrem Portfolio gestrichen, andere Künstler meiden ihn: Fainaru vertritt Israel auf der Biennale 2026 in Venedig. Die Stimmung ist aufgeheizt, der psychische Druck auf ihn wächst: Aktivisten rufen zu Demos gegen Israel auf, seit Wochen wird der israelische Pavillon angefeindet, ja, das Canceln der Ausstellung von Belu-Simion Fainaru wird gefordert. Hunderte, zum Teil prominente Teilnehmer der Biennale, unterschreiben dafür Petitionen. In der kommenden Woche bis zur Biennale-Eröffnung am 9. Mai ist mit
WeiterlesenP & P
Dienstag, Tübingen. Und gleich gehts wieder zurück. Morgen sechs Stunden Deutsch. Ende Mai sind die Hauptschulabschluss-Prüfungen, und ich zittere mit meinen Jungs und Mädels, die allesamt Schulabbrecher oder MigrantInnen sind, genauso wie ich in Tübingen mit meinen wohlbehüteten GymasiastInnen um ihren Abschluss gezittert habe. Nur dass es jetzt um viel mehr geht. Nichtbestehen würde sie existentiell bedrohen. Sie haben nur noch diese eine Chance. Nachmittags Schreibwerkstatt mit meinen JungautorInnen. Bin in der Woche in Tübingen zur Ruhe gekommen. Luxusstatus: Keinerlei Verpflichtungen, nur Treffen mit Freunden und Familie, Kino („Die reichste Frau der Welt“, gespielt von der erstaunlichen Isabelle Huppert), meine wunderbare
WeiterlesenUngeil
Samstag, Tübingen. Wenn jemand für 8,90 € Kaffee & Kuchen konsumiert hat und mit einem 10-€-Schein bezahlt und sich 1 € zurückgeben lässt, dann formiert sich direkt mal der Gedanke, ob es das war mit der Freundschaft.
WeiterlesenPEN
Donnerstag, Tübingen. Gestern bin ich dem PEN-Zentrum Deutschland zugewählt worden. Im Juni darf ich an der viertägigen Jahrestagung in Nürnberg teilnehmen, andere schreibende Menschen kennenlernen, mich austauschen und vernetzen. Es ist mir eine Ehre, Mitglied des PEN Deutschland zu sein. Ich freue mich sehr.
WeiterlesenSo schnell
Montag. Ein Eichhörnchen ist in der Regentonne ertrunken. PM hat es herausgeholt und entsorgt. Wie traurig, als ich von der Arbeit zurück war, habe ich es, glaube ich, noch auf dem Weg vorm Haus gesehen. Ich habe in der Küche den Kaffeerest vom Morgen getrunken und durch die Glastür eine schnelle Bewegung wahrgenommen. PM sagt, das war sicher ein anderes, hier gibt es so viele. Ich glaube aber, dass es genau dieses Eichhörnchen war. Und im nächsten Moment muss es auf die Regentonne gesprungen und ertrunken sein, von einem Moment auf den anderen.
WeiterlesenKultur und Pläne
Sonntag. Da muss man also in die Provinz gehen, um so eine phantastische Aufführung von 1984 zu sehen – überzeugendes Script, tolle Schauspieler und ein wirklich beeindruckendes Bühnenbild. Unaufdringliche, stimmige Zitate aus anderen Werken, etwa die ikonische Schafherde aus Chaplins Moderne Zeiten oder die Bestrafungsstromschläge aus dem Milgram-Experiment bzw. Das Schweigen der Lämmer. Gedankenverbrecher, Krieg ist Frieden, Doppeldenk, die ganze Orwellsche dystopische Vision auf der Bühne: der endgültige Sieg des totalitären Regimes über das Individuum. Nur das Ende ein wenig abgefedert, nach der psychischen Hinrichtung wird auf die Exekution verzichtet. Und heute gehts gleich weiter mit einem Gottesdienst in der
Weiterlesen2 Familienromane
Samstag. Zwei Familienromane parallel: Natalia Ginzburg, Alle unsere Gestern (Wagenbach 2025), und Iris Wolf, Die Unschärfe der Welt (Klett Cotta, 2025). Der eine Pflicht, der andere Kür (oder Belohnung). Die beiden Männer umarmten sich, und Bene dachte, dass es eine Umarmung war, die keine Zeit kannte. (Wieso?) … Laub raschelte, Vögel flogen auf. Ein Geräusch von absoluter Gegenwärtigkeit (Wieso?) Dann sah er eine Frau. Dünn, fast hager, im dunkelblauen Mantel, das Kopftuch am Hinterkopf geknotet. Inr Gesicht trug noch denselben entschiedenen, kompromisslosen Zug, der ihr zu eigen war. (S. 176) Hilfe, hilfe, ich ertrinke! In viel zu vielen Worten. In
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